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PISA-E: Fortschritt, kein Grund für Zufriedenheit!

PISA-E: Am 03.11.2005 wurden die Ergebnisse des zweiten Vergleichs der Bundesländer im Rahmen der PISA-Studie 2003 bekannt gegeben. Im Auftrag der Kultusministerkonferenz hatte Deutschland die Untersuchung ausgeweitet, um Daten für einen Vergleich der Bundesländer zu haben.

&nbsp; <br><b><span class="gruen">1. Rückblick: Die Ergebnisse des internationalen Vergleichs</span></b><br> <br>Die PISA-Studie bietet den Rahmen für PISA-E. Deshalb zuerst ein Blick auf die internationalen Ergebnisse:<br> <br> - Deutschland hatte sich in der zweiten PISA-Studie im internationalen Vergleich auf ein mittleres Niveau gesteigert. Überdurchschnittlich war nur die Problemlösekompetenz ausgeprägt. &nbsp;<br> - Immer noch ist die Gruppe derer, die nur die niedrigste Kompetenzstufe erreicht haben oder nicht einmal die, viel zu groß. Der Anteil dieser Risikogruppe, wie sie in der Studie genannt wird, beträgt 22% - deutlich mehr als in allen west- und nordeuropäischen Ländern (mit der Ausnahme von Luxemburg).<br> - Auffällig bleibt außerdem die große Schere, die sich bei den Leistungen öffnet. Nur in Belgien und in der Türkei gibt es eine vergleichbare Streuung.<br> - Das deutsche Bildungssystem kann soziale Unterschiede nicht auffangen. Wer aus gehobener sozialer Schicht kommt, hat deutlich bessere Bildungschancen. Dieser Zusammenhang ist in Deutschland statistisch besonders markant.<br> - Junge Menschen mit Migrationshintergrund finden in deutschen Schule wenig Unterstützung. Besonders auffällig: Jugendliche der ersten Generation haben noch ungünstigere Ergebnisse als zugewanderte Jugendliche, obwohl sie in Deutschland aufgewachsen sind und ihre gesamte Schulzeit an deutschen Schulen verbracht haben!<br> Mehr Ergebnisse und Ranking: <a target="_blank" href="http://www.zum.de/Faecher/evR2/BAYreal/as/se/pis/pisa2-01.htm">mehr ....</a><br> <br> <br> <span class="orange">2. PISA-E: Ergebnisse in Kurzzusammenfassung</span><br> <b><span class="gruen"></span></b><br> PISA-E ermöglicht nun den Vergleich der Bundesländer innerhalb der PISA-Studie:<br> <br> - Bayern ist der Anschluss an die OECD-Spitzengruppe in allen Kompetenzbereichen gelungen!<br> - Das Kompetenzniveau in Deutschland hat sich allgemein verbessert. <br> - Das kognitive Potenzial der Schülerinnen und Schüler ist noch nicht ausgeschöpft.<br> - Die Gruppe der leistungsschwachen Jugendlichen ist überall noch zu groß.<br> - Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler werden häufig in Wiederholungsschleifen geschickt oder an eine andere Schulart weiter gegeben. Das führt zu im Jahrgangsvergleich niedrigen Kompetenzniveaus. (Die Studie spricht hier von einem "verschwenderischen Umgang mit der Ressource Lebenszeit", S. 40)<br> - Jugendliche mit Migrationshintergrund sind benachteiligt.<br> - Unterschiedlichen Standortfaktoren und Lebensbedingungen in den Ländern bestimmen die Leistungsniveaus mit.<br> - Wenn sie herausgerechnet werden, ergeben sich Adjustierungen. Die relativen Positionen der Länder zueinander bleiben aber weitgehend erhalten.<br> - Unterricht und Schule selbst haben dennoch den wichtigsten Einfluss auf die Leistungen der Jugendlichen.<br> <br><b><span class="gruen"><br>3. PISA-E: Detaillierte Informationen zu den Ergebnissen der Bundesländer<br> <br> </span></b> Die Ergänzungsstudie PISA-E, die zusätzliche Untersuchung, ermöglicht nun den Vergleich der Bundesländer. Dafür wurden zusätzlich 1300 Schulen getestet. Insgesamt waren es bei PISA 2003 rund 45 000 Schülerinnen und Schüler aus 1500 Schulen.<br> <br> <b><span class="gruen">3.1 Ergebnisse der vier Kompetenzkategorien</span></b><br> <br> Es zeigt sich deutlich, dass manche Länder ihre Aufgaben besser erledigen:<br> &nbsp;- Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg liegen in allen vier Kategorien mathematische Kompetenz, Lesekompetenz, naturwissenschaftliche Kompetenz und Problemlösekompetenz vorne und über dem OECD-Durchschnitt, Bayern immer an erster Stelle! <br>- Zu den Schlusslichtern unterhalb des OECD-Durchschnitts gehören - je nach Kategorie - insbesondere Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.<br> <br> - Die Spannweite ist beträchtlich. Bei der mathematischen Kompetenz <span class="orange"></span>liegt sie beispielsweise zwischen 471 Punkten in Bremen und 533 Punkten in Bayern. Das entspricht etwa 1,5 Schuljahren.<br> - Die sog. Risikogruppe, also Jugendliche auf Kompetenzstufe 1 oder darunter, ist immer noch zu groß. Selbst in Bayern, wo sich die besten Leserinnen und Leser finden, gehören 14,1 % der Jugendlichen zu dieser Gruppe. Im Vergleich: In Finnland sind es 5,7%, in Kanada 9,6 %. <br> - Problemlösekompetenz: Hier schneiden eine ganze Reihe von Ländern besser ab als in der Mathematik, dabei sind beim analytischen Problemlösen durchaus vergleichbare Kompetenzen gefragt. Offensichtlich schöpfen die meisten Länder in Mathematik das Potenzial ihrer Jugendlichen nicht aus!<br> <br> <br><b><span class="gruen">3.2 Computernutzung in der Schule</span></b><br> <br> - Hier kommt es zu einem Schereneffekt: Jugendliche, die zu Hause keinen Computer haben, profitieren viel weniger vom schulischen Unterricht als Fünfzehnjährige mit guter häuslicher Computerausstattung. Dieser Effekt findet sich nicht in NRW und Rheinland-Pfalz. <br> - Insgesamt liegt die Computernutzung im internationalen Vergleich bei uns weit hinten: Bei uns arbeiten 21% Jugendliche mehrmals in der Woche am Computer, in Dänemark beispielsweise 65% - <a href="/community/bereich/themaordner.asp?folderid=36362">mehr ....</a><br> <br> <br><b><span class="gruen">3.3 Bedeutung der sozialen Herkunft</span></b><br> <br> Analysen des ökonomischen, sozialen und kulturellem Status zeigen, dass in einigen Ländern, z.B. Hamburg und Bremen, 10% der Bevölkerung nur über geringe sozioökonomische und kulturelle Ressourcen verfügen. In Deutschland werden 22.8% der Kompetenzunterschiede bei den Jugendlichen durch die soziale Herkunft erklären.<br> &nbsp;<br> - Am besten schneiden Bayern, Sachsen und Thüringen ab: Hier gelingt es, ein insgesamt hohes Niveau bei geringer Koppelung an die <b>soziale Herkunft</b> zu erreichen. Das Gegenteil - niedriges Niveau und hohe Verbindung mit der Herkunft - ist in Bremen, NRW und Mecklenburg Vorpommern der Fall.<br> - Doch das heißt nicht, dass die Jugendlichen entsprechend Zugang zu Bildungseinrichtungen haben. Selbst bei vergleichbarer Lese- und Mathematikkompetenz hat z.B. ein Facharbeiterkind nicht den gleichen Zugang zum Gymnasium wie ein Akademikerkind. <br> - Hier führt Bayern in negativer Hinsicht: Die Chancen von Akademikerkindern auf einen Platz im Gymnasium sind in Bayern 6,65 mal höher.<br> <br> - 22,2 % der Jugendlichen kommen aus Familien mit <b>Migrationshintergrund</b>. D.h. das ein oder beide Elternteile, ggf. sogar die Jugendlichen selbst nicht in Deutschland geboren sind. In den östlichen Ländern gilt das nur für einen kleinen Teil der Jugendlichen, in den anderen liegen die Anteile zwischen 17 und 36 %. <br> - Auffällig: Am negativsten waren die Testergebnisse bei Jugendlichen, deren Eltern beide aus dem Ausland stammten, die aber in Deutschland geboren wurden - dabei haben sie von Anfang an das deutsche Schulsystem durchlaufen! <br> - Probleme haben auch Schülerinnen und Schüler, die im (familiären) Alltag nicht oder nur teilweise Deutsch sprechen. Sie liegen bis zu 106 Punkte unter dem jeweiligen Landesdurchschnitt! (Bereits 60 Punkte entsprechen etwa 1,5 Schuljahren!)<br> - Für diese Jugendlichen - also z.B. Jungen und Mädchen türkischer Herkunft, die bei uns von Anfang an zur Schule gegangen sind - gibt es drastisch schlechtere Chancen für Ausbildung und Beruf!<br> <br> - Insgesamt gesehen lassen sich 10 % der Unterschiede bei der mathematischen Kompetenz auf soziale, ethnisch-kulturelle Herkunft sowie auf das Geschlecht zurückführen. Das macht auch die Leistungsbenachteiligung von Mädchen deutlich.<br> - Angaben der statistischen Ämter halfen, die Auswirkung von Faktoren wie <b>demographische, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen</b> noch genauer zu erfassen. Die regionale Sozialhilfe- und Arbeitslosenquote können die mittlere Leistung von Schulen negativ beeinflussen. <br> - Dennoch werden Unterschiede in den Kompetenzen&nbsp; nicht durch soziale und wirtschaftliche Faktoren determiniert. Die größte Rolle spielen nach wie vor Schule und Unterricht selbst - hier wird entschieden, was Jugendliche leisten können! (PISA 2003. Zusammenfassung, s.u., S. 37-38) <br> <br> <br> <b><br> Quelle:</b><br> <ul> <li> M.Prenzel u.a.: PISA 2003: Ergebnisse des zweiten Ländervergleichs. Zusammenfassung. November 2005<br> Online-Ausgabe (pdf-Datei): <a target="_blank" href="http://pisa.ipn.uni-kiel.de/PISA2003_E_Zusammenfassung.pdf">mehr ....</a></li> <li> Ranking der einzelnen Bundesländer in den vier Kompetenzbereichen bei Spiegel-online: <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,grossbild-493549-383064,00.html">mehr ....</a></li> </ul><span class="orange">&nbsp; <br> Download:</span> Ganzer Artikel als pdf-Datei - <a target="_blank" href="/workspace/users/191/Materialien/div/PISA-E-03.11.2005.pdf">mehr ...</a><br> <br> <div align="right">November 2005, Julia Born<br> </div> <br>
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