Material für den Religionsunterricht
Plattform und Community für Religionspädagogik
Lernplattform für Online unterstütztes Lernen (OUL)

Herr Ziemer, Sie sind ein Reformator!

Andreas Ziemer, Schulpfarrer am Gymnasium und Dozent beim PTI Drübeck, hat im Schulunterricht seiner beiden Kollegstufenklassen mit rpi-virtuell gearbeitet. Im Anschluss bat er seine Schüler/innen um Rückmeldung: Wie hatte ihnen das Lernen mit rpi-virtuell gefallen?


rpi-virtuell: "Ein super Hilfsmittel!"
Andreas Ziemer, Schulpfarrer am Fallstein-Gymnasium Osterwieck und Dozent beim PTI der Förderation der EKM/Drübeck, hat im Schulunterricht seiner beiden Kollegstufenklassen mit rpi-virtuell gearbeitet und dabei insbesondere das Forum genutzt (mehr ...).
Wie haben seine Schülerinnen und Schüler reagiert, was hat ihnen an dieser Art des Lernens gefallen, was nicht? Anhand eines Online-Fragebogens wurden ihre Rückmeldungen eingeholt. Insgesamt 41 Jugendliche haben geantwortet.
Kurzzusammenfassung:
  • Die neue Art des Lernens vertieft die Kommunikation in der Klasse und macht Spaß. Vor allem auch, weil es methodisch mehr und neue Möglichkeiten gibt.
  • Technisch gesehen kann man mit der Plattform viel machen. Der Umgang lässt sich recht leicht aneignen.
  • Ein kleiner Teil der Schüler/innen hat keinen Zugang zum Internet bzw. keine E-Mail-Adresse und von daher Schwierigkeiten. Einzelne lehnen das Internet ab. Doch auch diese Gruppe würde davon profitieren, wenn sie zumindest aus dem Unterricht hilfreiche und sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten einübt.

I. rpi-virtuell im Religionsunterricht

Die Religionsgruppen haben zum ersten Mal in ihrem Unterricht mit der Lernplattform rpi-virtuell gearbeitet. Insgesamt kam diese neue Art des Unterrichts sehr gut an.

Absoluter Hit: Die Kommunikationsmöglichkeiten
"Es gab durch rpi-virtuell eine viel bessere Kommunikation in der Klasse!"

Die Rückmeldungen sind sehr eindeutig: Als besonders bedeutungsvoll wurden die Möglichkeiten empfunden, sich so auszutauschen, die eigene Meinung zu vermitteln und die Meinungen anderer wahrzunehmen - und so auch manchmal eher stille Schülerinnen und Schüler bzw. die andere Lerngruppe besser kennen zu lernen. 32-mal(!) wurden hier solche Rückmeldungen benannt:

  • "Dass ich mich mit meinen Mitschülern austauschen kann und die Möglichkeit habe zu sehen, was die anderen so für Gedankengänge haben."
  • "Die Möglichkeit meine Meinung über Gott und die Welt frei und ohne jegliche Beurteilung loszuwerden."
  • "Dass ich die Meinung aller zu den unterschiedlichsten Themen hören konnte. Es gab durch rpi-virtuell eine viel bessere Kommunikation in der Klasse!"
  • "Auch diejenigen, die im Unterricht eher still sind, haben im Forum ihren Beitrag geschrieben. Außerdem hat man hier länger Zeit zum Überlegen, was man den eigentlich schreiben will, und kann sich so besser ausdrücken."
  • "Dass man mit allen 'Relikindern' verbunden ist. Man kann sich immer schreiben... "
Weitere positive Rückmeldungen:
"Macht halt einfach Spaß"

  • Internet und Surfen ist gut (5x): "Ich konnte ins Internet gehen und hatte dafür eine gute Begründung."
  • Ist mal etwas Anderes bzw. stellt eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten dar (5x), ist besser als Schreiben bzw. das Heft (2x): "Man hat ein ganz anderes Feeling, als wenn man an seinem Tisch sitzt vor seinem Heft und nicht weiß, was man schreiben soll!"
  • Man hat mehr Zeit, weniger Druck (2x).


II. rpi-virtuell als Lernplattform

Was hat dir bei rpi-virtuell als Plattform gefallen? "Weiter so!"
Bei der Frage nach der Plattform rangierten ebenfalls die Kommunikationsmöglichkeiten zuoberst, z.B. Chat und Forum, dass man sich mit anderen austauschen konnte, seine Meinung loswerden konnte (13x):

  • "Nutzvoll und kommunikativ"; "Dass man mit anderen Leuten in Kontakt bleiben kann, tolle Dinge erfährt und seinen Raum einrichten kann".
Ein zweiter Schwerpunkt betraf die technischen Möglichkeiten:
  • Die eTools (1x), dass man sich einen eigenen Raum bzw. eine eigene Seite einrichten und die gestalten kann (3x). Auch Bedienbarkeit und Unkompliziertheit wurden explizit genannt (3x).
Die gesamte Plattform wurde als ansprechend gestaltet empfunden (6x), ebenso das dahinter stehende Konzept (3x). Dass man damit anders lernen kann (2x) und Angebote wie die Bibliothek oder relilex nutzen kann (3x):
  • "Dass man unkompliziert auch Bilder und andere Dinge einstellen kann, das Layout ist auch gut, weiter so!"

"Ich würde mir außerdem wünschen, dass...":
Projekt "Cyberklasse"?

Welche Wünsche wurden hier genannt? Zunächst einmal gab es hier positive Verstärkung für die Macher der Plattform:

  • "Weiter so!" Mit rpi-virtuell soll weiterhin gearbeitet werden - vielleicht auch in anderen Fächern. Ein "Weiter so!" auch für die Plattform bzw. die Menschen, auf die man dort trifft. (8x)
  • Könnte man nicht auch einmal eine Unterrichtsstunde ganz mit rpi-virtuell machen, fragten sich einige (3x): "Wir hätten auch eine Stunde des Unterrichts zu Hause im Chat verbringen können"!
  • Zusätzliche Angebote wurden vorgeschlagen wie Seiten zum Spielen oder zum Entspannen (3x) und ein offener Chat (1x).
  • Einige äußerten auch technische Wünsche, z.B. nach einer Umgestaltung der Foren (1x) bzw. Vereinfachung der Navigation zwischen den Räumen (2x).
"Das fand ich nicht so gut, hätte ich mir anders gewünscht"
Natürlich ist es auch wichtig zu wissen, wo Hürden wahrgenommen werden.

  • Die Bedienung einer Lernplattform muss man erlernen und einüben und sich auf den Seiten orientieren. Diese zusätzliche Anforderung wurde benannt (9x): "Bei mir kam manchmal Verwirrung auf, in welchen Raum ich musste, um meine Unterrichtsmaterialien zu finden." Andererseits: "Wenn man den Weg gefunden hat, scheint es doch leicht zu sein."
  • Als Problem wurde benannt, dass ein Internetzugang grundsätzliche Voraussetzung ist, und nicht alle darüber verfügen (5x): "Man kann nicht effektiv zusammen arbeiten, wenn einige Schüler keinen Internetanschluss haben."
  • Es wurde kritisiert, dass eine E-Mail-Adresse Voraussetzung ist und man sich extra eine solche einrichten musste (2x).
  • Einzelne benannten technische Probleme, z.B. beim Chat (3x).
  • Schließlich wurden noch einzelne methodische Aspekte benannt, z.B. Wunsch nach mehr Interaktivität, Wunsch nach mehr Nachgespräch und Diskussion im Unterricht, Kritik an Wiederholung der Diskussion im Unterricht, generelle Einstellung gegen PCs im Unterricht (7x): "Dass wir weiterhin mit rpi-virtuell gearbeitet hätten und nicht die letzten Wochen mal im Heft." "Mir hat das Ganze keinen Spaß gemacht."

Fazit: "Herr Ziemer, Sie sind ein Reformator!"
Die Unterrichtseinheiten im virtuellen Klassenzimmer haben den Jugendlichen in überwiegendem Maße Spaß gemacht, die Kommunikation in der Gruppe vertieft und erweitert und die inhaltliche Arbeit bereichert:
  • "Da gibts nichts zu sagen, ich fands toll."
  • "rpi-virtuell haben wir nicht nur im Unterricht, sondern auch für ein Projekt benutzt, und dabei war es echt ein super Hilfsmittel!"


III. Zwei Hürden: Ablehner und Internetzugang

Bei allem positiven Zuspruch deuten sich in zwei Bereichen Schwierigkeiten an, die Beachtung finden sollten. Zum einen gibt es eine - wenn auch kleine - Gruppe von Jugendlichen, die sich von dem Lernen mit neuen Medien distanzieren. Und zum anderen braucht man fürs Online-Lernen den Online-Zugang. Und der ist (noch) nicht grundsätzlich gewährleistet.

"Ich musste mich jedes Mal dazu zwingen"
Eine kleine Gruppe von Schüler/innen steht den neuen Medien skeptisch bis grundsätzlich ablehnend gegenüber:

  • "An und für sich vielleicht eine gute Sache, für unseren Religionsunterricht finde ich es allerdings unpassend." "Ich finde, dass das Arbeiten am Computer weniger geeignet ist für den Unterricht."
  • Online unterstütztes Lernen ist "nicht unbedingt für die Schule erforderlich, da es in anderen Fächern auch ohne das Internet funktioniert." Tipp für meinen Lehrer: "Nicht weiter, weil ich mit Computern nicht viel am Hut habe und auch nicht will."
Hochgerechnet ist es eine/r von zehn Schüler/innen, die sich so äußern. Diese Rückmeldungen sind tendenziell eher emotional, vertiefte Erläuterungen und Begründungen werden nicht gegeben ("kein Spaß gemacht", "nicht notwendig").
Möglicherweise fehlt es auch an technischer Kompetenz ("erst nach langem Suchen gefunden").

Solche Vorbehalte sind sehr ernst zu nehmen. Falls nötig, sollte für behutsame Unterstützung und Qualifikation in technischer Hinsicht gesorgt werden. Und es ist zu verdeutlichen, dass es nicht darum geht, den Unterricht durch das Internet zu ersetzen, sondern zu bereichern. Solche kritischen Rückmeldungen können auch eine Diskussion darüber anregen, was das Wertvolle an der direkten Begegnung in der Lerngruppe ist.

"Da ich anfangs kein Internet hatte"
Der überwiegenden Mehrheit bereitet es scheinbar keine Probleme, ins Internet zu kommen.

  • Ein/e Schüler/in schreibt: "Das Internet regt einen vielmehr an, wirklich etwas für die Schule zu tun. Da sowieso die meisten Schüler nachmittags am Rechner sitzen, könnten Hausaufgaben vielleicht sogar Spaß machen...?"
  • Andererseits antwortet ein/e Schüler/in auf die Frage "Online unterstütztes Lernen ist ... " "teuer (meine Mutter)".
Nicht alle verfügten über eine Internetadresse und über Online-Zugang zu Hause. Diese mussten ihre Hausaufgaben im Internetcafe der Schule machen, und die Zeit, die sie dort dafür hatten, war begrenzt.

  • "Da ich anfangs kein Internet hatte, musste ich die Hausaufgaben im Internetcafe unserer Schule erledigen, doch die Zeit reichte meist nicht."
  • "Die Pausen sind zum Lesen und Beantworten doch recht kurz."
Auch Schüler/innen, die selbst Spaß am Arbeiten mit dem Internet hatten, wiesen darauf hin, dass man das Wissen, wie das Internet funktioniert, nicht voraussetzen kann, und dass z.B. nicht alle PDF-Dateien öffnen können.
Es wird aber auch auf den daraus entstehenden Kompetenzgewinn (3x) hingewiesen: Man lernt so mit PC und Internet umzugehen, was "wichtig für das spätere Leben" ist.


IV. Ausblick: Medienpädagogik als Aufgabe der Schule


Hier ist zu fragen, ob sich eine weiterführende Schule heute leisten kann, Abgänger/innen ohne Kompetenzen im Umgang mit PC und Internet zu entlassen .
In der Arbeitswelt nutzten im Frühjahr 2006 bereits mehr als die Hälfte der Beschäftigten einen Computer am Arbeitsplatz (Stiftung digitale Chancen: mehr ...) , in Forschung und Lehre geht es nicht mehr ohne. Nach wie vor gelten die Ergebnisse von PISA 2003, die sich auch mit der Frage der Computerkompetenz befasst hatten. In der Zusammenfassung von Dr. Klaus Dautel:

  • "In keinem anderen OECD-Staat wird der Computer so selten als Lernwerkzeug in der Schule eingesetzt. ... In Deutschland haben 'mehr als 20 Prozent der Fünfzehnjährigen so gut wie keine Idee darüber entwickelt ..., für welche Zwecke der Computer ein geeignetes Hilfsmittel darstellen ... bzw. wie man ihn angemessen nutzen kann.' Problematisch ist das Nutzungsverhalten im Hinblick auf die Anforderungen des künftigen Berufslebens.
  • 'In den Schulen müssten den Jugendlichen also in sehr viel stärkerem Umfang als bisher sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten neuer Medien nahe gebracht und die entsprechenden computerbezogenen Kenntnisse und Lernstrategien vermittelt werden.'"
    ("PISA 2003". Präsentation - mehr ...)
So fragt ja auch Andreas Ziemer in seinem Interview nach lebensrelevanter Methoden- und Kommunikationskompetenz: "Was müssen junge Menschen methodisch und kommunikativ beherrschen, wenn sie unsere Schule verlassen?" - mehr ...

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  • Für die Umfrage wurde ein eTool von rpi-virtuell verwendet: mehr ...
Februar 2007
Julia Born
Themenwochen Online-Lernen Oktober 2007: Online in der Schule
  • Alle Beiträge auf einen Blick: mehr ...
  • Rückmeldung zu den Themenwochen Online-Lernen: mehr ...
Themenwochen Online-Lernen April 2007: Hallo, wie gehts? - Kommunizieren mit rpi-virtuell
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