Online-Lernen: Werkzeuge und Vorgehensweisen
Online-Lernen vollzieht sich unter anderen Rahmenbedingungen als eine Präsenzveranstaltung. Es fordert von den Teilnehmenden, dass sie Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess übernehmen. Die Förderung der Selbstverantwortung, die Stärkung der Selbstwirksamkeit und die Förderung von Kommunikation und Kooperation sind daher grundlegende didaktische Prinzipien. Wie lässt sich das erreichen?
Bewährte Methoden und Tools In unseren Seminaren hat sich eine gewisse Struktur und ein gewisses Instrumentarium als hilfreich gezeigt und bewährt. Wie die folgenden Vorgehensweisen und Instrumente im konkreten Fall eingesetzt oder variiert werden, richtet sich dabei ganz nach der Zielgruppe, den Rahmenbedingungen und den Zielsetzungen eines Seminars. ![]() 1 Seminarinfos Seminarinfos - ähnlich den traditionellen Studienbriefen - bieten Informationen zu den Themen der Fortbildung und dienen als Taktgeber bei der zeitlichen Strukturierung des Online-Seminars. Sie bieten Anknüpfungsmöglichkeit für Vorwissen und neue Inhalte. Traditionell dürften solche Texte als wesentlichstes Element oder Herzstück einer Fortbildung wahrgenommen werden. De facto sind sie aber nichts anderes als leere Information, so lange bis sich die Teilnehmenden damit auseinandergesetzt, damit aktiv gearbeitet und sich diese Inhalte angeeignet haben. Deshalb werden sie durch Lernangebote ergänzt. 2 Lernangebote Die Lernangebote dienen der Auseinandersetzung und der Aneignung der Inhalte. Geachtet wurde auf Vielfalt in methodischer Hinsicht sowie auf Berücksichtigung unterschiedlicher Lern- bzw. Wahrnehmungstypen geachtet (abstrakt, konkret, assoziativ, strukturiert). Nach Möglichkeit werden persönliche Bezüge oder Bezüge zur Arbeitswelt hergestellt. Die Seminarmitglieder wählen in eigener Schwerpunktsetzung aus bzw. stellen sich selbst Aufgaben. Die Arbeitsergebnisse werden dokumentiert. 3 Seminarforum und Gruppenarbeit Seminarforum und Gruppenarbeit vermitteln - oft zum Erstaunen der Seminarmitglieder - dass Online-Austausch sehr wohl sehr persönlich, anregend und bereichernd sein kann, dass dabei unterschiedliche individuelle Eigenschaften und Kompetenzen wahrnehmbar und als Stärken eingebracht werden können. Seminarforum Das Seminarforum ist das Zentrum unserer virtuellen Seminare. Hier werden Positionen, Fragen und Ideen ausgetauscht, hier ist der Ort, um sich gegenseitig wahrzunehmen und kennen zu lernen. Dabei geht es natürlich nicht nur um Seminarinhalte: Ein Strang "Cafeteria" ist extra für den Smalltalk reserviert, für den Austausch über alles andere als die Seminarthemen. Um den Austausch in Gang zu bringen, beginnt das Seminar mit einem persönlichen Gruß, mit dem sich die Seminarmitglieder im Forum melden. Ein Abschiedsgruß am Ende beschließt das Seminar. Gruppenarbeit Mit Kleingruppenarbeit wird in der zweiten Seminareinheit begonnen, die Aufgabenstellungen werden schrittweise anspruchsvoller. Nach Möglichkeit tun sich immer neue Partner/innen zusammen. Ein wichtiger Lerneffekte ist zunächst auch einfach wahrzunehmen, wie viel schwieriger eine ergebnisorientierte Zusammenarbeit im virtuellen Bereich ist, und dass tragfähige Strukturen, eine gute Planung und Zuverlässigkeit dafür essenziell sind. 4 Logbuch und Lernpartnerschaft Angesichts der Bedeutung von Selbstorganisation und Selbstwirksamkeitsüberzeugung beim Online-Lernen wurden auch hierfür gezielt Instrumente gewählt, die die eigene Verortung im Seminar, die Reflexion über die persönlichen Zielsetzungen, die Evaluation des bisherigen Verhaltens sowie die Planung der Weiterarbeit fördern und unterstützen. Logbuch oder Lerntagebuch Das Führen von Lerntagebüchern gilt inzwischen als bewährte Methode, die eigene Lernpraxis zu dokumentieren, zu erkunden, zu überprüfen und möglicherweise zu verändern. Ein Log- oder Lerntagebuch ist integriert in die Seminarmappe. Zu jeder Seminareinheit gibt es eine Vorlage mit folgenden Fragen, die bearbeitet werden sollen, z. B.: Rückblick auf die Inhalte der Seminareinheit: Lernpartnerschaft Eine Lernpartnerschaft ist ein freiwilliger, temporärer Zusammenschluss von zwei Personen mit dem Ziel mit- und voneinander zu lernen. In jeder Seminareinheit findet telefonisch ein solches Lernpartnerschaftsgespräch statt, insgesamt sind es sechs Telefonate von jeweils einer Stunde. Nicht alle Seminarmitglieder haben Erfahrung mit Coachingprozessen. Aus diesem Grund gibt es ein Handout mit grundsätzlichen Regeln für das Gespräch und zu jedem Termin einen kleinen Gesprächsleitfaden. 5 Dokumentation in der Seminarmappe Die persönliche Auseinandersetzung mit den Lernangeboten, die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Gruppenarbeit, Reflexion und Evaluation in Logbuch und Lernpartnerschaft - all das wird in der Seminarmappe dokumentiert. Die Verschriftlichung ist ein weiterer Schritt, um den vollständigen Lernprozess zu unterstützen und selbst bestimmtes Lernen und Selbstorganisation anzustoßen. Die Seminarmappe ist ein Online-Dokument mit einer vorgegebenen Struktur. Für jede Seminareinheit sind Abschnitte vorgegeben. Jedes Seminarmitglied richtet sich diese Mappe zu Beginn des Seminars ein und bearbeitet sie fortlaufend. Die vollständig bearbeitete Seminarmappe ist Grundlage für die qualifizierte Teilnahmebestätigung. Wer sich bei rpi-virtuell als Online-Coach oder eTrainerin vorstellen will, kann am Ende des Seminars daraus eine Präsentationsmappe gestalten, die anderen Kenntnisse, Erfahrungen und Ziele bei der Online-Arbeit vermitteln.
6 Begleitung durch die Seminarleitung Eine gutes Seminarangebot bildet die Voraussetzung für eine Fortbildung. Die aktive Auseinandersetzung der Seminarmitglieder wird damit jedoch noch lange nicht automatisch herbeigeführt. Mancher hat schon einmal mit großer Sorgfalt einen virtuellen Raum bei rpi-virtuell eingerichtet und ausgestattet, nur um festzustellen, dass z.B. die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, die sich dort austauschen sollten, den Weg in diesen Raum nicht fanden. Dass Angebote nicht genutzt werden, hängt oft zusammen mit technischen Unsicherheiten, unklaren bzw. ungenügend vermittelten Zielsetzungen und dem Gefühl "Auf mich kommt es nicht so an, es sind ja andere da". Bei Online-Seminaren kommt es aber auf jeden Einzelnen an: Nur wenn relativ schnell Austausch und Zusammenarbeit zustande kommen, wird das Seminar auch reizvoll und interessant. Als wichtiger Impuls, um den Lern- und Austauschprozess in Gang zu bringen, zeigte sich die wöchentliche E-Mail-Nachricht, die jedes Seminarmitglied von der Seminarleitung bzw. einem ihm zugeordneten Coach erhielt. Dieses wöchentliche Schreiben hat die Funktion
Juni 2007 Weiterlesen!Julia Born
Themenwochen Online-Lernen August 2007: Online-Lernen mit Erwachsenen
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