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Holocaust als Thema für Kinder

Für: Erw. Medientyp: Fachinformation | Autor: Biesenbaum, Hannegret | mehr
Artikel in Interview-Form
Die Abteilung "Kultur und Sozialwissenschaften" des Deutschlandfunks hat dieses Interview zum zeitgeschichtlichen Lernen in der Grundschule anhand eines Projektes der Universität Erfurt 2011 veröffentlicht.
Webseite: http://www.dradio.de/dlf/sendu...
Institut: Deutschlandfunk
Status: Wiedervorlage nach 6 Monaten
Vorgeschlagen von: Andrea Lehr-Rütsche
Im Materialpool seit: 01.10.2013 15:44:32
Zuletzt bearbeitet am: 01.10.2013 15:53:57

Weitere Informationen

Jahrgangsstufe:
Medienart:
  • Fachinformation

    Diskussion zu diesem Material

  • Die Website macht sich sehr differenziert Gedanken dazu, den Holocaust schon in der Grundschule zu thematisieren. Der Meinung, Fragen von Schülerinnen und Schülern auch dieser Altersstufe zu diesem Thema schon angemessen zu begegnen, kann man nur zustimmen. Aber was heißt das: "altersangemessen"?

    Ich würde der Website zustimmen, dass man Kindern schon im Grundschulalter Religion und Kultur des Judentums vermitteln kann. Das hat aber zunächst einmal nichts primär mit dem Grauen des Holocausts zu tun.

    Weiter verfolgt man dort den Ansatz, von Kinderschicksalen auszugehen mit Happyend, nicht ohne auch das wieder zu problematisieren. Also muss man dann doch die ganze Wahrheit ansprechen. Aber kann man das für diese Altersstufe?

    Ich habe beruflich damit zu tun, den Holocaustgedenktag an einem Gymnasium zu organisieren. Und ich muss sagen, dass selbst das einige Schwierigkeiten mit sich bringt, dass man sehr genau hinschauen muss, was man Kindern in welchem Alter zumuten kann.

    Es gibt beispielsweise Medien, deren Altersangaben sehr fragwürdig sind, z.B. den Film "Der Pianist". Dieser ist für 12jährige freigegeben, ab 14 Jahren empfohlen und selbst 17jährige haben Schwierigkeiten, dieses Werk emotional zu bewältigen.

    Ich selbst habe Schülerinnen und Schüler eines siebten Jahrgangs einmal mit Mathematikaufgaben des Dritten Reiches konfrontiert - es ging dabei um Propaganda der Euthanasie -, ohne zu ahnen, dass dies Kindern diesen Alters seelisch schaden könnte.

    Darf nun aber die emotionale Belastung eines Unterrichtsinhaltes Maßstab dafür sein, Schüler zu informieren oder es lieber sein zu lassen? In höheren Jahrgängen (Jgg. 11-12) nicht, aber für die Grundschule den Holocaust planmäßig zu thematisieren halte ich für verfehlt. Punktuell bei Nachfragen ist das sicher in gebotener Kürze möglich, Antworten zu geben. Aber sonst gibt es andere Themen, die altersangemessener sind: eben die Anbahnung eines positiven Verhältnisses der Kinder zur jüdischen Kultur und Religion. Der Holocaust kann als Thema daran in späteren Jahrgängen immer noch anknüpfen. Er wird es. In Deutschland gibt es eine zwölfjährige Schulpflicht.


    Portacaeli | am 05.10.2013 - 14:41

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