(Quelle:
http://www.weltreligionen-und-mystik.de
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Tan-Hsya
Tien-shan – Erleuchtungsbericht
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Die folgende
Übersetzung wurde uns
freundlicherweise von Genpo H.R. Döring, Hakuin Zen Gemeinschaft,
Dinkelscherben, zum Abdruck überlassen. ( im Internet unter http://www.kaiser-bischof.de/shoboji/
) Der
Zenmeister Tan-Hsya Tien-shan Die folgende,
kurze Autobiographie von Tan-Hsya Tien-shan (739-824; jap.: Tanka Tennen)
vermittelt ein genaues Bild davon, wie Erleuchtung im Zen tatsächlich vor sich
geht. Sie schildert Tien-shans persönliche Erfahrung des "MU" während
seines langen Bemühens um Erleuchtung. Wer sich Meister Tien-shan noch genauer
ansehen möchte, begegnet ihm im 76. Beispiel des Hekigan Roku (Bi yän lu). Meister Tan-Hsya
Tien-shan schreibt: Während der
folgenden großen Mönchsversammlung sagte der Meister: "Meine
lieben Brüder, es ist zwecklos sich schläfrig zu fühlen, während ihr lange Zeit
auf eurem Meditationssitz verharrt. Wenn ihr schläfrig seid, solltet ihr den
Sitzplatz verlassen und in der Halle umhergehen (Kinhin üben). Falls das nichts
nützt, geht nach draußen, dort könnt ihr euer Gesicht waschen, euren Mund mit
kaltem Wasser ausspülen und eure Augen erfrischen. Danach könnt ihr zu eurem
Sitzplatz zurückkehren, mit aufrechter Wirbelsäule sitzen und euren Geist wach
halten, als ob ihr an einem 10.000 Meter tiefen Abgrund ständet, und nichts als
euer Hua-tou ist da präsent. Wenn ihr sieben Tage lang so übt und weiterarbeitet,
werdet ihr mit Sicherheit zur Erkenntnis gelangen. Einer Anstrengung dieser Art
habe ich mich selbst vor vierzig Jahren unterzogen." Ich übte gemäß
dieser Anweisung für einige Zeit und spürte bald ungewöhnliche Fortschritte. Am
nächsten Tag fühlte ich während dieser Übung, dass ich meine Augen nicht mehr
schließen konnte, selbst wenn ich wollte. Am dritten Tag fühlte ich mich, als
schwebt mein Körper in der Luft. Am vierten Tag verlor ich jegliches Bewußtsein
für die Zeit und für alles, was in dieser Welt geschah. In der folgenden Nacht
lehnte ich mich an eine Säule der Halle und stand da eine ganze Weile. Mein
Geist war so ruhig, als sei er im Zustand der Bewußtlosigkeit. Ich machte mir
mein Hua-tou gegenwärtig und verlor es nicht, und ging dann zurück zu meinem
Sitz. Als ich gerade dabei war, mich hinzusetzen, erlebte ich ein Gefühl, als
sei mein ganzer Körper gespalten, von der Schädeldecke bis zu den Fußsohlen. Es
war ein Gefühl, als würde mir jemand den Schädel zerquetschen. Es war ein
überwältigendes Erleben. Genau so, als wäre ich aus einem zehntausend Meter
tiefen Brunnen hoch hinaus in die Luft katapultiert worden. Umgehend berichtete
ich Meister Yen über diese unbeschreibliche Ekstase und über die sich dabei
einstellende, nicht-anhaftende Freude, die ich gerade erlebt hatte. Aber Meister Yen
sagte zu mir: "Nein, das ist es nicht. Du solltest weiter an deiner
Meditation arbeiten." Auf mein
Ersuchen hin gab mir Meister Yen die Worte des Dharma, dessen letzte zwei
Zeilen sich so lasen: "Um die
"aufwärtsgerichtete" Angelegenheit der Buddhas und Partiarchen zu
verbreiten und zu verherrlichen, brauchst du noch einen guten Hammerschlag auf
den Hinterkopf." Ich sagte mir
immer wieder: "Warum brauche ich einen Hammerschlag auf meinen
Hinterkopf?" Von diesem
Hinweis war ich überhaupt nicht begeistert. Trotzdem schien es, als hielte sich
noch ein leichter Zweifel in meinem Geist, etwas, dessen ich nicht sicher war.
So meditierte ich täglich eine lange Zeit, fast ein halbes Jahr. Eines Tages,
als ich gerade eine Kräutermedizin gegen Kopfschmerzen kochte, erinnerte ich
mich an ein Koan, in dem von zwei Mönchen die Rede ist. Der eine fragte den
anderen: "Wenn du die Knochen deines Körpers deinem Vater zurückgibst und
das Fleisch deines Körpers deiner Mutter zurückgibst, wo warst 'du' dann?" Ich erinnere
mich, dass ich diese Frage einmal nicht beantworten konnte, als einer der
Mönchsältesten sie mir stellte, aber jetzt war mein Zweifel plötzlich
beseitigt. Später setzte ich meine Übung bei Meister Meng-shan fort. Der
Meister Meng-shan fragte mich: "Wann und wo kann man seine Zen-Arbeit als
vollbracht ansehen?" Ich konnte diese
Frage nicht beantworten. Meister Meng-shan ermahnte mich, meine Bemühungen in
der Meditation zu verstärken, um weltliche, gewohnheitsgemäße Gedanken
fortzuwaschen. Jedesmal, wenn ich sein Zimmer betrat und meine Antwort auf
seine Befragung vorbrachte, sagte er immer, daß ich noch nicht weit genug
vorgedrungen sei. Eines Tages meditierte ich vom Nachmittag bis zum folgenden
Morgen, die Kraft des Zazen nutzend, um mich dabeizuhalten und voranzutreiben,
bis ich direkt die Stufe der tiefen Versenkung erreichte. Als ich später zum
Meister ging und ihm von meiner Erfahrung erzählte, fragte er mich
unvermittelt: "Was ist dein wahres, ursprüngliches Gesicht?" Gerade, als ich
beginnen wollte zu antworten, drängte mich der Meister aus dem Zimmer und
schlug die Türe zu. Verwirrt kehrte ich in die Sitzhalle zurück. Von dieser
Zeit an machte ich jeden Tag kleinste und kleine Fortschritte. Später erkannte
ich, dass mein Unverständnis in dieser Angelegenheit darauf zurückzuführen war,
dass ich nicht lange genug bei Meister Hsüeh-yen geblieben war, um am subtilen
und feinen Teil der Aufgabe zu arbeiten. Aber wie sehr hatte ich Glück,
wiederum in Meister Meng-shan, einen wirklich guten Zenmeister getroffen zu
haben. Nur durch ihn war es mir möglich, eine solche Stufe zu erreichen. Bis zu
diesem Zeitpunkt hatte ich nicht erkannt, dass es jedem möglich ist, wenn er
sich nur unaufhörlich und kraftvoll bemüht, zur tiefsten Erkenntnis zu gelangen
und seine Unwissenheit Stück für Stück, mit jeder Stufe des Weges abzulegen im
Stande ist. Meister
Meng-shan sagte zu mir: "Das ist wie das Freilegen einer Perle. Man bricht
die harte Schale auf und entfernt das umgebende Fleisch. Je mehr man die Perle
säubert, desto leuchtender, klarer und reiner wird sie.“ Dennoch,
jedesmal wenn ich meines Meisters Frage zu beantworten suchte, wurde ich
abgewiesen und es wurde mir gesagt, dass es in mir noch an etwas mangele. Eines Tages,
während der Meditation, kam mir das Wort "mangeln" in den Sinn, und
plötzlich fühlte ich, wie sich mein Geist und mein Körper weit öffneten, vom
Kern meines Markes und der Knochen her, durch und durch. Ein bisher nicht
gekanntes Gefühl durchflutete mich. Es war so, wie wenn alter, aufgehäufter
Schnee unter der hellen Sonne dahinschmilzt, wenn sie nach vielen dunklen Tagen
plötzlich aus den Wolken hervorbricht. Ich konnte nicht anders als laut und
herzlich herauszulachen, sprang mit einem Satz von meinem Kissen, packte den
Arm meines Meisters Meng-shan mit einer Hand und sagte zu ihm: "Sag mir,
sag mir! Woran mangelt mir? Woran mangelt mir?" Der Meister
schlug mir dreimal ins Gesicht und ich warf mich dreimal vor ihm nieder. Der
Meister sagte: "Oh, Tien-shan, es hat einige Jahre gedauert, bis du hier
angekommen bist!"
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