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(Quelle: http://www.weltreligionen-und-mystik.de   )  

 

Annemarie Schimmel

  

 

1922 – 2003

   

Christentum/ Islam

 

 

Geboren wurde Annemarie Schimmel am 07.04.1922 in Erfurt. Bereits als 15-jährige lernte sie in ihrer Freizeit mit Begeisterung arabisch, so dass später in der Abiturzeitschrift ihres Jahrganges die spöttische „Anzeige“ zu lesen war: „Wer macht aus einem arabischen Schimmel eine häusliche Stute?“ (Autobiographie, Seite 22)

 Die „Cemile“ (türk. „Die Schöne“), wie sie Kollegen nannten, studierte Orientalistik in Berlin, promovierte dort mit 19 Jahren und habilitierte sich in Marburg bereits als 23-jährige.

Trotz der Schwierigkeit, sich als Frau auf dem wissenschaftlichen Parkett durchzusetzen, war sie tätig als Professorin in Marburg, Ankara, Bonn und 25 Jahre lang in Harvard. Daneben unternahm sie zahlreiche Reisen, vor allem auch in den Orient. und sie ist von mehreren islamischen Universitäten mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden.

 Annemarie Schimmel hat nie geheiratet. Auf die Frage, ob sie denn gar kein Privatleben habe, antwortete sie ich ihrer Autobiographie: „Ich finde, meine Arbeit und alles, was damit zusammenhängt – Menschen und Reisen – ist mehr als genug Privatleben.“ (Seite 9).

 

Annemarie Schimmel hat durch ihre vielen Bücher, die von wissenschaftlicher Detailkenntnis und gleichzeitig einer fast poetischen Sprache gekennzeichnet sind, zu einer Korrektur des oft vorurteilsbeladenen Islambildes im christlichen Europa beigetragen. Insbesondere gilt dies für die islamische Mystik. „Es ist der große Verdienst Annemarie Schimmels, eine weite und breite Öffentlichkeit im Westen mit der islamischen Mystik vertraut gemacht zu haben, die sie aus dem Dunstschleier des Esoterischen herauslöste und als ernst zu nehmende Dichtung und Denkrichtung vorstellte“ hat die Süddeutsche Zeitung am 29.01.2003 anlässlich ihres Todes geschrieben.

Annemarie Schimmel ist nicht nur Wissenschaftlerin gewesen, sondern war auch selbst von einer tiefen mystischen Frömmigkeit gekennzeichnet, wie das folgende Gedicht von ihr zeigt:

                        „Quell und Mündung der Gedanken:

                        Seit von Deinem Wein wir tranken,

                        Wurden so erfüllt von Liebe

                        Unsrer Seele feinste Ranken,

                        Dass sie, in Dir festgegründet,

                        Nun nicht mehr voll Unruh schwanken.

                        Und es strahlt in unserm Herzen

                        - Einem Spiegel, einem blanken -

                        Uns Dein Bild, in dessen Anschaun

                        Wir erstaunend tief versanken.

                        So umfing uns Deine Liebe

                        Ohne Grenze, ohne Schranken –

                        Nimm ein kleines Lied des Dankes,

                        Lass Dir immer wieder danken!“ (Autobiographie, S. 295)

 

1995 wurde A. Schimmel mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Am 26. Januar 2003 ist sie im Alter von 80 Jahren in Bonn gestorben.

BJ

 

Quelle:

Annemarie Schimmel: „Morgenland und Abendland – mein west-östliches Leben“ (Autobiograhie), Beck Verlag München, 2002.

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