Evaluation: Verbesserungen ermöglichen, stärken, was gut läuft!
In gemeinsamer Verantwortung für den Lebensraum Schule
Wenn Dr. Wolfgang Eckart, ehemaliger Leiter des Pädagogischen Instituts Nürnberg, inzwischen Chef des Nürnberger Bildungszentrums, der größten Weiterbildungseinrichtung Nordbayerns ( bz.nuernberg.de ), selbst Fortbildungen gibt, geht es meist um sein Lieblingsthema - Evaluation. »Das ist eine Riesenchance für die Schule!', sagt Eckart. Für viele Unterrichtende ist Evaluation aber noch ein Fremdwort.
Herr Eckart, Schlagwort »Evaluation“ – was ist das überhaupt und was hat das in der Schule zu suchen?
Bei der Evaluation geht es darum, dass Lehrkräfte lernen, sich und ihren Unterricht selbst besser einschätzen und zwar auf Grund von möglichst objektiven Daten. Ein zweiter Schritt ist es, die Schule als Ganzes zu evaluieren, um Antworten auf Fragen zu bekommen wie »Wie gut sind wir eigentlich?', »Was sind unsere Stärken?', »Wo liegen unsere Schwächen?'
Evaluation hat einerseits eine stärkende Funktion – sie soll erkennen und bestärken helfen, was gut läuft. Auf der anderen Seite soll sie Diagnosen ermöglichen, wo Verbesserungen möglich oder nötig sind.
Die Heranwachsenden sollen den Unterricht bewerten? Bei dem Gedanken kriegt man als Lehrkraft ein eher mulmiges Gefühl in der Magengegend ...
Die Kernfrage ist doch: Will ich herausfinden, was meine Unterrichtsarbeit bei meinen Schülerinnen und Schülern bewirkt und wie ich deren Lernen weiter fördern kann? Wenn ja, dann machen Sie sich auf den Weg.
Haben Sie Mut: Alle Erfahrung lehrt, dass die Heranwachsenden sehr wohl in der Lage sind, in der eigenen Klasse sachbezogen ihre Erfahrungen mit der Unterrichtsarbeit einzubringen. Sie fühlen sich dadurch ernst genommen, zu Partnern aufgewertet und tragen dazu bei, den Unterricht weiter zu entwickeln. Meine These ist, dass ohne regelmäßiges Schüler-Feedback eine systematische Unterrichtsentwicklung gar nicht möglich ist.
Wie findet man im Unterricht Zeit für solche Vorhaben? Fragebogenaktionen kennt man ja – aber das ist doch alles ziemlich langwierig und umständlich.
Es gibt viele Methoden neben dem – oft recht aufwändigen – Fragebogen: Die Kartenabfrage nach der Moderationsmethode (z.B. nach einer Unterrichtssequenz), ein Stimmungsbarometer, eine Evaluationszielscheibe, die gemeinsame Rekonstruktion der Unterrichtsstunde, aber auch der Lernbericht oder das Lerntagebuch gehören hierher.
Wichtig ist der Methodenmix - und überhaupt, damit anzufangen! Legen Sie die Messlatte nicht zu hoch. Probieren Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern aus, tauschen Sie sich aus mit anderen engagierten Kolleginnen und Kollegen, sammeln Sie Erfahrungen und Ideen! Etliche der vorgenannten Mittel sind übrigens ohne großen Zeitaufwand einzusetzen – wichtiger aber scheint mir das Bewusstsein: Es lohnt sich für alle Beteiligten, hier zu investieren!
Die anderen Länder sollen im Bereich Schulforschung viel weiter sein. Können Sie ein paar interessante Beispiele nennen?
Mit systematischer Unterrichtsevaluation hat man in Schottland schon vor ca. 10 Jahren begonnen und gute Erfahrungen gesammelt, die auch bei uns veröffentlicht wurden (
Literaturliste). Auch in Kanada wird viel in der Hinsicht getan: Dort wurden wissenschaftliche Untersuchungen publiziert, in denen die Wirksamkeit von Evaluation explizit nachgewiesen werden konnte. Wird Zeit, dass wir hier aufholen!
Nennen Sie uns drei Tipps, wie man morgen in einer Schulstunde mit Unterrichtsevaluation anfangen kann. Was kann ich tun? Was sollte ich beachten?
Auf diese Weise verstanden wird Evaluation zum Werkzeug, das das Lernen effektiver macht, ja, mehr noch: Das Zusammenleben und Zusammenarbeiten stärkt und Mitverantwortung und Engagement für den gemeinsamen Lebensraum Schule weckt.
Nürnberg, August 2003
Das Interview führte Julia Born.
Literaturtipps: