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Es
ging ein Engel durch den Raum.
Engelbotschaften verstehen in Schule und Gemeinde
Gerhard Jüngst/ Ilka
Kirchhoff/ Manfred Tiemann
Mit dem lyrisch anmutenden Titel „Es ging ein Engel durch den Raum“ ist nicht etwa ein weiterer Titel der Endlosliste neuerer esoterischer Literatur gemeint. Vielmehr handelt es sich hier um ‚handfestes’ Material zum Verstehen der Engel-Thematik in der Bibel und in der Religionsgeschichte unseres Kulturraumes. Gerhard Jüngst führt in die biblischen Zusammenhänge ein. Die Vielfalt und die Besonderheiten der Erlebnisse, die biblische Menschen mit Engeln hatten, werden vorgestellt. Dabei kommen die Motive, die Aufgaben, das Wesen und die (Un-) Anschaulichkeit der Engel gut zum Ausdruck. Hilfreich ist auch die Aufklärung über Fehldeutungen und –entwicklungen, die zur Konzentration auf die „geflügelten“ Wesen geführt haben (11-12). Engel lassen sich keineswegs nur über 'Flügel’ definieren!
Differenziert geht der Autor auf die Bedeutung der Engel bei den neutestamentlichen Autoren ein: in den Geburtsgeschichten, bei den Ostererfahrungen, bei Apostelerlebnissen. Darüber hinaus erfährt der Leser über paulinische und apokalyptische Vorstellungen in diesem Kontext. Die biblischen Autoren wollen keine Engelsdogmatik verkündigen, sondern verstehen diese Botschaft als Ausdruck des vielfältigen Wirkens Gottes. Der Leser wird durch diese Anregungen motiviert selbst in der Bibel nachzuschlagen und zu erforschen, was es dort mit den Engeln aus sich hat. Die verbreitete Vorstellung von „Schutzengeln“ (Tobit/Raphael – Erzählung) wird biblisch zurecht gerückt (20 – 24). Der Abschnitt über „Engel in der Nachbarschaft“ (30 – 33) ermöglicht auf informative und sympathische Weise Brückenschläge zu Juden und Muslimen. Eine wichtige Voraussetzung für das interreligiöse Gespräch!
Ilka Kirchhoff bietet in ihren didaktischen
Vorschlägen interessante Anregungen, die sich gut
im Unterricht einsetzen lassen: Umfragen vorbereiten,
Drehbuch gestalten, Medien kritisch betrachten, Engel
im Jahreskreis, Todesengel in Literatur, Medien und
Kunst. Ein Unterrichtsvorschlag mit Materialien für
7. – 10 Schuljahr ist dem Thema „Engel im
Islam“ gewidmet (110 – 132).
Manfred Tiemann stellt „Engel im Film“
aus religionspädagogischer Perspektive dar (149
ff). Seine Arbeitsvorschläge – von den Schülern
in vorbereiteter Gruppenarbeit durchzuführen -
sind interessant und innovativ. Neben filmdidaktischen
Hinweisen, die Lehrkräfte generell gebrauchen können,
stehen besondere Methoden im Vordergrund: einen langen
Film zu einer neuen 'Verdichtung’ zuschneiden;
Vergleich von kontroversen Filmen; Engelkulte in Filmen
und Werbung analysieren u.a.m. So werden die Schülerinnen
und Schüler zu aktiven Gestaltern des thematischen
Prozesses und sind nicht bloß Rezipienten. Auf
diese Weise kann man auch aus langatmigen 'Bibelschinken’
aktuelle Produkte machen! Diese Arbeitsvorschläge
sind teilweise für Sekundarstufe I gedacht, die
meisten werden jedoch in der Sekundarstufe II gut umgesetzt
werden können. Voraussetzung ist eine gute Medienausstattung
der Schulen!
Dieses Buch ist sehr gut geeignet, den Religionslehrkräften
fachliche und praktische Anregungen zur Bewältigung
des anspruchsvollen Themas „Engel“ zu geben.
Manfred Spieß